BDS Veranstaltung in Pizzaria

Auf Grund der Ablehnung eines Eilantrags durch das Verwaltungsgericht konnte die für heute geplante Veranstaltung von BDS Oldenburg mit ua. Ronnie Barkan nicht im PFL stattfinden. Uns wurde heute früh die Information zugespielt, dass diese in einem Laden an der Gabelung Nardoster/Alexanderstraße stattfindet. Es handelt sich dabei um einen Supermarkt für orientalische Lebensmittel mit Pizzaria mit dem Namen ‚Life Bistro-Cafe‘ in der Heiligengeiststraße 18. In dieser, für eine solche Veranstaltung wohl wenig komfortablen Örtlichkeit versammelten sich zwischen 8 und 15 Menschen, die mit der BDS Kampagne sympathisieren, unter anderem war Ronnie Barkan anwesend.

Wir wollen euch dieses schöne Motiv mit genannter Pizzaria im Hintergrund nicht vorenthalten:

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Redebeitrag zur Kundgebung gegen BDS am 22.03. vor dem PFL

Dem antisemitischen Wahn die Bühne nehmen!
Redebeitrag zur ‚Israeli Apartheid Week‘ des BDS Oldenburg

vom Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Oldenburg

In Oldenburg gibt es diese Woche eine traurige Premiere: Zum ersten Mal bietet der hiesige BDS Ableger im Rahmen der antisemitischen ‚Israeli Apartheid Week‘ mehrere Veranstaltungen an, um dem jüdischen Staat eine Nähe zu Praktiken der sogenannten Rassentrennung in Südafrika anzudichten. Die ‚Israeli Apartheid Week‘ findet seit 2005 jedes Jahr im Februar oder März statt und kann als eine globale Aktionswoche für die Unterstützung von BDS bezeichnet werden.

Dass es sich bei dem Vorwurf, Israel sei ein Apartheidsregime, um ein antisemitisches Zerrbild handelt, wird allein schon dadurch deutlich, dass „im Gegensatz zu den Schwarzen während der Apartheid die AraberInnen in Israel wählen können, ihre eigenen RepräsentantInnen und InteressenvertrerInnen in politischen Debatten haben. 2015 gewann die von PalästinenserInnen dominierte Vereinte Liste 13 Sitze in der Knesset und war somit drittstärkste Kraft im Land. Diese Partei ist dafür bekannt, eine der schärfsten KritikerInnen der israelischen Regierung zu sein. Die israelische Politik lässt also Opposition und Kritik zu, ohne mit Verboten oder Gefängnis zu drohen.“[1] Auch in den besetzten palästinensischen Gebieten herrscht alles andere als Apartheid: Aus sicherheitspolitischen Gründen kann dort zwar eine ungleiche Behandlung erfolgen, für eine solche sind jedoch nicht die Merkmale wie Hautfarbe, Herkunft oder Religion ausschlaggebend, sondern die Staatsbürgerschaft, so dass Israelis keinen Einschränkungen unterliegen. Eine Diskriminierung anhand unveränderlicher, rassistisch definierter Merkmale würde jedoch erst Apartheid charakterisieren, diese findet weder in Israel statt, noch verantwortet Israel eine solche in den palästinensischen Gebieten.[2]
Hier handelt es sich um einige Beispiele von vielen, was verdeutlicht, dass die ‚Israeli Apartheid Week‘ auf antisemitischen Lügen fußt und nebenbei die historischen Fakten der tatsächlichen institutionalisierten Verbrechen der südafrikanischen Apartheid relativiert.
Die ‚Israeli Apartheid Week‘ wird dabei nicht nur von fraglichen Akteuren unterstützt, sondern sorgt auch für ein hasserfülltes Klima, da sich in der Vergangenheit in diesem Kontext bereits antisemitische Angriffe und Straftaten ereigneten. So kam es 2016 am Rande einer Filmvorführung des anti-israelischen Filmes ‚Even Though My Land is Burning‘, welche die Gruppe ‚BDS-Berlin‘ zusammen mit der Gruppe  ‚F.O.R. Palestine‘ organisierte, zu antisemitischen Äußerungen, Bedrohungen und Beschimpfungen: Es wurden Hitlergrüße gezeigt und eine Teilnehmerin der Gegenkundgebung ‚BDS stoppen, bedingungslose Solidarität mit Israel‘ wurde als „Zionisten-Fotze“ beschimpft. Ihr wurde auch angedroht, dass man sie nach Hause verfolge, wo man sie dann „kriegen würde“[3].

Als Auftaktveranstaltung zeigt BDS Oldenburg am 22.03. den Film ‚Roadmap to Apartheid‘ von Ana Nogueira und Eron Davidson. Israel wird darin als europäisches Kolonialprojekt diffamiert, das wie das Apartheidsregime von Südafrika agieren würde. Der Trailer verdeutlicht bereits die Argumentationsstruktur der Dokumentation: Filmmaterial aus der Zeit der sogenannten Rassentrennung Südafrikas wird mit Aufzeichnungen von Auseinandersetzungen im Nahen Osten zusammengeführt und beides fälschlicherweise gleichgesetzt. Die Erzählerstimme übernimmt übrigens Alice Walker: Die Autorin des Bestsellers ‚Die Farbe Lila‘ von 1983 weigert sich, ihr Werk ins Hebräische übersetzen zu lassen[4], unterstützt BDS und nennt den rechten Verschwörungsideologen David Icke ihren Lieblingsautoren.[5]

Am Sonntag, 24.03., wird ein sechsstündiger Propaganda-Workshop über BDS und deren Perspektive auf den Nahostkonflikt  angeboten. Als Seminarleiter angekündigt sind neben einem dubiosen Überraschungsgast auch ein Oldenburger BDS-Aktivist und der Berliner BDSler Ronnie Barkan: Dieser störte beispielsweise 2017 mit zwei weiteren BDS-Unterstützern in Berlin massiv die Veranstaltung ‚Life in Israel‘ mit der Shoah-Überlebenden Deborah Weinstein durch Zwischenrufe und widersetzte sich des Hausrechts. Einer seiner Mitstreiter soll die Veranstalter sogar gewaltsam angegangen haben. Die darauffolgende Gerichtsverhandlung wegen Hausfriedensbruchs und versuchter Körperverletzung ließ Barkan mithilfe anderer platzen, da versucht wurde, den Fokus von den zu verhandelnden Taten der Beschuldigten auf die Dämonisierung Israels zu verschieben. Die Richterin vertagte sodann den Prozess.[6]

Norman Paech wird am 27.03. einen Vortrag mit dem Titel ‚Apartheid, Siedlerkolonialismus und Meinungsfreiheit‘ halten. Das ehemalige Mitglied des Bundestages der Linkspartei schreibt in einem Text von 2018 für den KenFM-nahen Blog Rubikon.News, dass es zum 70. Geburtstag Israels kaum Grund zu feiern gebe und argumentiert dies mit dem Nakba-Mythos[7] sowie dem Vorwurf der Apartheid. Besonders eindringlich wirkt die Betonung Paechs, dass aufgrund des Apartheidsstatus‘ auch der militärische Kampf gegen Israel legitim sei.[8]
Es ist also nicht verwunderlich, dass so jemand seinen wahnhaften Feldzug gegen Jüdinnen und Juden an Bord der Gaza-Flotille 2010[9] auch in die Praxis umsetzte. Organisiert wurde diese Flotte von der türkischen IHH, einer „radikale[n] islamistische[n] Gruppe im Gewand einer humanitären Organisation“[10]. Hierbei kam es zu antisemitischen Aussagen gegenüber der israelischen Küstenwache und ihrer SoldatInnen wie beispielsweise „Geht zurück nach Auschwitz“[11] und Sprechchören, die sich positiv auf das Niedermetzeln von Jüdinnen und Juden bezogen[12] sowie gewalttätigen Angriffen auf israelische SoldatInnen. Dass es den OrganisatorInnen der Flottille nicht um das Überbringen der Hilfsgüter ging, sondern um eine Provokation Israels, ist ziemlich offensichtlich; auf das israelische Angebot, die Hilfsgüter an einem israelischen Hafen zu entladen, von wo aus sie nach Gaza gebracht werden hätten können, wurde nicht eingegangen.[13] So kam es letztlich wenig überraschend nach gewalttätigen Angriffen von Seiten der Flotille zu einem Einsatz israelischer Sicherheitskräfte, der mehreren Menschen das Leben kostete.[14] Mit seiner Teilnahme an der Gaza-Flotille und der Hinnahme der offen vernichtungsantisemitischen Weltsicht der beteiligten Personen und Akteure trägt Norman Peach aktiv zur Propagierung und Umsetzung des antisemitischen Wahns, der zielsicher auf die Auslöschung von Jüdinnen und Juden hinausläuft, bei.

Die vierte Veranstaltung wird voraussichtlich ausfallen: Der Vortrag von Christoph Glanz mit dem ewig langen und absurden Titel „Menschenrechtsarbeit in Oldenburg in Gefahr – wie gesellschaftliche Player in Oldenburg und anderswo durch Diffamierung und Raumentzüge versuchen (sic!) die palästinensische Menschenrechtskampagne BDS zu behindern. Ein Rückblick mit Ausblick: Was lässt sich daraus für die lokale Arbeit und ziviles Engagement lernen?“ ist für den 29.03. angesetzt, aber muss laut Veranstaltungstext verschoben werden. Wir halten euch diesbezüglich auf dem Laufenden und kündigen bereits jetzt an, eine solche Veranstaltung ganz bestimmt nicht widerstandslos hinzunehmen, egal, wo und wann sie stattfinden wird.

Als erster Erfolg lässt sich bereits jetzt festhalten, dass die heutige Veranstaltung nicht, wie ursprünglich von BDS geplant, im PFL stattfinden kann. Somit werden antisemitische Positionen zumindest nicht auch noch aufgewertet, indem sie in prestigeträchtigen städtischen Räumen eine Bühne bekommen. Damit ist bereits ein wichtiges Signal an die Öffentlichkeit gesendet, nämlich  dass Antisemitismus niemals eine legitime Meinung in der öffentlichen Diskussion darstellen kann. Nicht zuletzt hat unser konsequentes und ausdauerndes Vorgehen gegen jegliche Veranstaltungen der BDS-Kampagne auch eine größere Aufmerksamkeit und Sensibilisierung für das Thema geschaffen.
Deshalb ist es jetzt wichtig, weiterzumachen: Indem wir dafür sorgen, dass niemand mehr irgendwelche Örtlichkeiten für antisemitische Veranstaltungen zur Verfügung stellt und indem wir uns dafür einsetzen, dass die begrüßenswerte Politik der Verwaltung gegenüber BDS endlich vollends rechtssicher formalisiert wird durch einen Beschluss des Stadtrats gegen die Unterstützung der BDS-Kampagne durch die Überlassung städtischer Räume.

Deshalb demonstrieren wir nicht nur heute gegen die BDS-Veranstaltung, sondern wollen auch am kommenden Montag, den 25.03. bei der öffentlichen Stadtratssitzung, in welcher ein Beschluss zur Thematik gefällt wird, Präsenz zeigen. Lasst uns den Stadtratsmitgliedern durch unsere Anwesenheit mit Fahnen und Transparenten deutlich machen, dass wir einen solchen Beschluss für unumgänglich halten. Die Stadtratssitzung beginnt um 18.00 Uhr, wir treffen uns eine viertel Stunde früher vor dem PFL, um geschlossen in den Sitzungssaal zu gehen. Sagt euren Freundinnen und Freunden Bescheid und kommt zahlreich!

[1] https://www.iz3w.org/zeitschrift/ausgaben/359_rechtspopulismus/apartheid

[2] Johnson, Allen (2014): The Apartheid Smear – Israel is not an apartheid state. The allegation damages the peace process, London, Seite 42, Online: http://static.bicom.org.uk/wp-content/uploads/2014/02/BICOM_Apartheid-Smear_FINAL.pdf.

[3] https://www.berliner-register.de/vorfall/friedrichshain-kreuzberg/antisemitische-bedrohungen-bei- veranstaltung-zur-israel-apartheid?fbclid=IwAR2GFaeVziB6hZMXM0N_rqIhp8ZH6qSmeLeNtyNWDffcDW5Nwyprv64nZkE

[4] https://www.haaretz.com/hblocked?returnTo=https%3A%2F%2Fwww.haaretz.com%2F.premium-author-of-the-color-purple-refuses-to-authorize-hebrew-version-because-israel-is-guilty-of-apartheid-1.5181125

[5]  http://www.bbc.co.uk/radio4/features/desert-island-discs/castaway/49a99856#b01shstm/

[6] https://jfda.de/blog/2019/03/11/bds-prozess-geplatzt/ Barkan

[7] http://www.dig-stuttgart.net/wp-content/uploads/2008/03/nakba_web_end.pdf

[8] https://www.rubikon.news/artikel/das-verdrangte-unrecht Paech

[9] http://www.taz.de/!5139882/ Gazaflotille

[10] Zitat übersetzt aus diesem Artikel:  http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/israel/7790919/Gaza-flotilla-the-Free-Gaza-Movement-and-the-IHH.html vgl. ebenfalls: http://de.wikipedia.org/wiki/Ship-to-Gaza-Zwischenfall#Planung_und_Organisation

[11] http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/idf-video-shows-flotilla-passengers-tell-israel-navy-to-go-back-to-auschwitz-1.294249

[12] „Erinnert Euch an Khaibar, Khaibar, oh Juden! Die Armee Mohammeds wird zurückkehren!” vgl. Salzborn/Voigt: Antisemiten als Koalitionspartner? In: Zeitschrift für Politik 3/211. http://www.salzborn.de/txt/2011_zfp.pdf

[13] ebd.

[14] ebd.</div>

Offener Brief zu den antisemitischen “Anti-Apartheidstagen” in Oldenburg

Wir dokumentieren hier einen offenen Brief, der von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Oldenburg veröffentlicht wurde und den wir mit unterzeichnet haben:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister und sehr geehrte Mitglieder des Oldenburger Stadtrates,

mit diesem Offenen Brief bitten wir Sie eindringlich, die von der antisemitischen Kampagne „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS) u. a. für den 22. und 27. März 2019 im städtischen Kulturzentrum PFL angekündigten, gegen den jüdischen Staat Israel gerichteten, „Anti-Apartheidstage“ zu untersagen.
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, nennt die BDS-Kampagne „unzweifelhaft antisemitisch“.¹ Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats Charlotte Knobloch sieht sich angesichts der BDS-Propaganda in erschreckender Weise an die nationalsozialistische Politik „Kauft nicht bei Juden“ erinnert.² Schon der Titel „Anti-Apartheidstage“ verdeutlicht den Antisemitismus der BDS-Kampagne, denn damit wird Israel, der einzige demokratische Rechtsstaat im Nahen Osten, der selbstverständlich auch seinen arabischen EinwohnerInnen volle Bürgerrechte garantiert, als Apartheidsstaat diffamiert. Nach der anerkannten 3-D-Definition von Natan Sharansky („Delegitimierung Israels, Dämonisierung Israels und Doppelte Standards“) ist dies eindeutig antisemitisch. Die Verbreitung antisemitischer Propaganda darf nach der Erfahrung des Nationalsozialismus nicht unter Meinungsfreiheit fallen, sie ist vielmehr ein Verbrechen. Mittlerweile haben u. a. der Deutsche Bundestag, der CDU-Parteitag, der Landtag von Nordrhein-Westfalen, das Berliner Abgeordnetenhaus, die Grüne Jugend, das Studierendenparlament der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg sowie die Städte Frankfurt a. M. und München die BDS-Kampagne als antisemitisch bezeichnet und jeglicher Kooperation mit ihr eine Absage erteilt. Die Stadt Oldenburg sollte sich diesem klaren und notwendigen Signal gegen den Antisemitismus anschließen.
Deshalb: Untersagen Sie die „Anti-Apartheidstage“ der BDS-Kampagne im März und votieren Sie auf der nächsten Stadtratssitzung für den Beschluss, der BDS-Kampagne generell keine städtischen Räume zur Verfügung zu stellen.

¹ Vgl. http://www.taz.de/Kontroverse-um-Friedenspreis/!5577293/ [Stand: 13.03.2019].
2 Vgl. https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.charlotte-knobloch-ist-empoert-palaestina-israel-wirbel-um-angeblich-israelfeindlichen-vortrag-im-gasteig.9b5ff4da-ab39-400c-9702-43436c316340.html [Stand: 13.03.2019].

Erstunterzeichnende:

Antifa.elf Oldenburg

AStA der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Autonomes Referat für behinderte und chronisch kranke Studierende der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (Beref)

Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Oldenburg

Deutsch-Israelische Gesellschaft DIG Oldenburg Oldb.

Die Linke.SDS Oldenburg

Fachschaft Philosophie Oldenburg

Jusos Oldenburg/Ammerland

LAK Shalom Niedersachsen

Linksjugend ’solid Oldenburg/Ammerland

Offene Grüne Hochschulgruppe Oldenburg

RCDS Oldenburg

Dokumentation: Für einen Beschluss des Oldenburger Stadtrats gegen die BDS-Kampagne

Dokumentation unseres Aufrufs, bei der Stadtratssitzung am 25.02.2019 Präsenz zu zeigen:

Am Montag steht im Oldenburger Stadtrat die Möglichkeit zur Debatte, der antisemitischen BDS-Kampagne städtische Räume zu verwehren. Eine entsprechende Vorlage wurde zur Abstimmung eingebracht. Ein solcher Beschluss würde eine Handhabe ermöglichen gegen Veranstaltungen, wie den Auftritt Rolf Verlegers, der vor kurzem im städtischen PFL stattfand. Auf Grund vergangener und bereits angekündigter antisemitischer BDS-Veranstaltungen sehen wir einen dringenden Handlungsbedarf und erachten einen solchen Beschluss als sehr wünschenswert. Da ein Gericht im letzten Jahr urteilte, die Raumkündigung von Seiten der Stadt für eine BDS-Veranstaltung sei auf Grund eines Formfehlers nicht rechtens gewesen, ist ein Beschluss zudem dringend notwendig, um eine Basis für ein konsequentes Vorgehen gegen Antisemitismus zu schaffen. Einige andere Städte, unter anderem München, haben bereits eine solche Resolution verabschiedet und wir hoffen, dass der Stadtrat in Oldenburg am Montag diesem Beispiel folgt und sich damit klar gegen Antisemitismus positioniert.

Aus Oldenburger BDS-Kreisen erfolgte bereits eine Mobilmachung gegen die mögliche Beschlussfassung, es wurden für die Sitzung „Einwohnerfragen“ zur Thematik eingereicht. Wir wollen nicht zulassen, dass die BDS-Kampagne die Debatte zu diesem wichtigen Vorstoß als Bühne für sich nutzen kann und rufen deshalb dazu auf, bei der Stadtratssitzung zahlreich präsent zu sein, um ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus und die BDS-Kampagne zu setzen!

Die Sitzung beginnt um 18.00 Uhr und findet im PFL statt. Es können übrigens von allen BürgerInnen der Stadt Oldenburg Einwohnerfragen eingereicht werden. Größere Taschen müssen abgegeben werden, Fahnen und Transparente sind aber erlaubt. Kommt zahlreich und sagt Leuten Bescheid!

Flyer: Kein Antisemitismus in städtischen Räumen

Dokumentation unseres Flyers, der am 30.01.2019 im Rahmen des Protests gegen die Veranstaltung mit Rolf Verleger im PFL verteilt wurde:

Das Fluchtmuseum Oldenburg veranstaltet heute Abend, am 30. Januar, nur drei Tage nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945, einen Vortrag mit dem Psychologieprofessor Rolf Verleger. Das Fluchtmuseum ist in den letzten Jahren mehrmals damit aufgefallen, Veranstaltungen der antisemitischen Israelboykott-Kampagne BDS zu organisieren.

„Boycott, Divestment, Sanctions“ – Unter diesen Schlagworten versucht die internationale Kampagne, Stimmung gegen den Staat Israel zu machen. Fadenscheiniges Ziel dieser u.a. von der Hamas unterstützten Kampagne ist es, den jüdischen Staat zu zwingen, die „Besetzung und Kolonisation allen arabischen Landes“ zu beenden, die Grenzen zu öffnen, um die Rückkehr aller palästinensischen Flüchtlinge zu ermöglichen. Im Umkehrschluss würde dies in letzter Konsequenz dazu beizutragen, dass Israel, der Staat, der in direkter Folge aus der Shoah als Schutzraum für Jüdinnen* und Juden errichtet wurde, vernichtet wird. Weiterhin verfolgt die BDS-Kampagne „das Ziel, Israel international zu diskreditieren und zu delegitimieren“. Sie strebt den Boykott israelischer Waren, Künstler*innen, Politiker*innen, Wissenschaftler*innen und Sportler*innen an. Augenscheinliche Ähnlichkeiten zur nationalsozialistischen Parole „Kauft nicht beim Juden“ offenbaren sich ganz deutlich, wenn die BDS Kampagne ihre Forderung nach einem Boykott vor Geschäften in Deutschland äußert.

Rolf Verleger ist Mitglied der „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“, die sich positiv auf BDS bezieht und wurde 2009 aufgrund seiner israelfeindlichen Äußerungen aus dem Direktorium des Zentralrats der Juden gewählt. So erstaunt es nicht, dass es laut Verleger nur einen Schuldigen im Nahostkonflikt gibt: Israel. Islamistische und offen (vernichtungs-)antisemitisch agierende Organisationen wie Hamas, Fatah oder Islamischer Jihad werden von Verleger rigoros verharmlost, weil diese sich mit Gewaltakten gegen die israelische Zivilbevölkerung nur verteidigen würden: „Dass die dann ihre komischen Raketen abschießen, das ist nicht schön, aber das ist doch eine verständliche Folge all dieser Dinge.“ Als verständliche Folge sieht Verleger auch den Antisemitismus, da dieser aus Israels Taten erwach-sen würde. Er übersieht allerdings willentlich, dass dabei alte Ressentiments lediglich vom „Juden“ auf Israel verschoben werden. Er geht sogar so weit, dass er Jüdinnen*und Juden beibringen will, dass die Kippa seiner Meinung nach nur ein nationalistisches und imperialistisches Symbol sei und sich niemand wundern müsste, wenn man aufgrund des Tragens dieser antisemitischen Ressentiments ausgesetzt sei. Israel sowie Jüdinnen* und Juden haben also selber Schuld am Antisemitismus. Dementsprechend erachtet Verleger den Kampf gegen Antisemitismus als wirklichkeitsverzerrend und übertrieben und es bedürfe auch weder eines Antisemitismusbeauftragten noch einer Datenerhebung über derartige Vorfälle.

Für das Verbreiten dieses gefährlichen Unsinns ist Verleger jede Plattform recht und so finden sich seine Positionen nicht nur in Zeitungen von taz bis FAZ oder in seinen Büchern, sondern auch aktuell im Interview mit dem bekannten Verschwörungsideologen Ken Jebsen, der im Jahr 2011 von seinem ehemaligen Sender RBB wegen antisemitischer und holocaustrelativierender Äußerungen gekündigt wurde. Auch die Jüdische Allgemeine fragt sich in einem kritischen Artikel über Verleger, warum Medien einem Mann ein Forum bieten, der nur für sich selbst und eine irrelevante Minderheit der deutschen Jüdinnen* und Juden spricht.

Wir halten es deshalb für unerträglich, dass das PFL Rolf Verleger und dem BDS eine Bühne für antisemitisches Gedankengut gibt. Auch deshalb, weil nur ein paar Straßen weiter die Synagoge zu Oldenburg steht und die Gedenktafeln an die im Nationalsozialismus deportierten Oldenburger Jüdinnen* und Juden erinnern.

Wir fordern daher von der Stadt, endlich eine Resolution gegen BDS zu verabschieden und antisemitischen und israelfeindlichen Äußerungen keine Plattform mehr zu bieten!

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Weitere Infos zum Thema (israelbezogenem) Antisemitismus auch unter: Samuel Salzborn: „Israelkritik oder Antisemitismus? Kriterien für eine Unterscheidung (www.salzborn.de/txt/2013_Kirche-und-Israel.pdf) & Infos zu Rolf Verleger (www.juedische-allgemeine.de/kul…/kritischer-jude-vom-dienst/)

Flyer bezüglich einer antisemitischen Veranstaltung der ev-luth. Kirchengemeinde Oldenburg

Dokumentation eines Flyers, den wir anlässlich einer Veranstaltung mit Abed Schokry am 25.01.2019 in der Lamberti-Kirche verteilt haben:

Die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Oldenburg veranstaltet heute Abend einen Vortrag mit Dr. Abed Schokry mit dem Titel „Leben und Erleben in Gaza“. Schokry lehrt an einer Universität in Gaza und ist in Deutschland vor allem für seine „Briefe aus Gaza“ bekannt. In diesen berichtet er als scheinbar neutraler Augenzeuge von den angeblichen Gräueltaten Israels. Frei nach dem Motto: Man muss vor Ort sein, um zu wissen, was vor sich geht.

Problematisch an Schokrys Aussagen ist seine Dämonisierung Israels. Diese ist charakteristisch für den Antizionismus, der nach 1945 eine der verbreitetsten Formen darstellt, alte antisemitische Ressentiments in neuem Gewand zu äußern. Anstatt vom Juden zu sprechen, wird nun alles Übel der Welt dem Staat Israel zugeschrieben – dem einzigen Staat, in dem Juden und Jüdinnen Schutz vor Antisemitismus finden.

Schokry zieht dabei alle Register des sich im Antizionismus äußernden Antisemitismus, wie etwa in seinen „Briefen aus Gaza“, aus denen die folgenden Zitate stammen: Shoahrelativierungen mitsamt der Lüge eines Völkermordes in Gaza kommen etwa in dieser Passage zum Ausdruck: „Im zweiten Weltkrieg hatte ‚man’ die Möglichkeit gehabt, zu sagen ,Ich habe es nicht gewusst‘, aber heute kann niemand mehr auf der ganzen Welt sagen, ,Ich habe es nicht gewusst‘.“ Die perfide Verkehrung, aus den Opfern der Shoah Täter zu machen, ist eine projektive Abwehrhaltung, die im Antisemitismus begründet liegt.

Ebenso äußert Schokry paranoide Verschwörungshirngespinste: „Nun zu den – sogenannten – demokratischen Staaten: wenn die Weltbevölkerung so stark gegen diesen Krieg demonstrierte, warum haben ihre Vertreter, ihre gewählten Regierungen, dementsprechend gehandelt? Ich denke, dass alles unredlich war… Fast alle sind nur Schachfiguren – die treibenden Kräfte agieren im Hintergrund… Anders kann ich dieses Schweigen und die Tatenlosigkeit nicht interpretieren…“. Das Bild von verborgenen Mächten, die hinter den Kulissen agieren und alles kontrollieren ist dabei ein klassischer Ausdruck von Antisemitismus, dessen zentrales Moment das Hirngespinst einer jüdischen Weltverschwörung darstellt.

Nicht weniger antisemitisch ist die Mär vom alles zerstörenden Moloch Israel, der seine Gräueltaten mittels Religion zu legitimieren sucht: „Sie wollten so viel zerstören, wie nur möglich.. Und eben las ich, dass ein Rabbiner ihnen das Töten von allen Menschen (alt, jung, Mann, Frau, Baby) erlaubt hat und dass sie nicht barmherzig sein sollten.“ Ins Auge springt hier außerdem, dass die Beschreibung Israels als Babymörder ganz unverhohlen auf die antisemitische „Ritualmordlegende“ verweist, wonach Juden kleine christliche Kinder töten würden, um deren Blut zu trinken. Tauscht man „Jude“ durch „Israel“ aus, lässt sich noch das mittelalterlichste antisemitische Stereotyp modern recyceln.

Kommt Ihnen das alles bekannt vor? Der Jude (unter den Staaten) begeht mehr oder weniger heim-lich einen Völkermord, kontrolliert ebenso heimlich ganze Staaten und das wegen seiner jüdischen Religion? Wer hier keinen Antisemitismus erkennt, will es wohl nicht.
Dr. Schokrys vermeintliche Expertise besteht einzig darin, dass er im Gazastreifen wohnt und so scheinbar authentisch von Einblicken aus dem dortigen Alltag berichtet. Dass Antisemitismus keine angemessene Sichtweise auf komplexe Zusammenhänge bieten kann, weil alles Schlechte zwangsläufig und unabhängig von tatsächlichen Handlungen dem Jüdischen angehängt wird, gilt unabhängig vom geographischen Standpunkt. Dr. Schokry ist hierfür ein ausgezeichnetes Beispiel.

Wir finden es daher untragbar, dass ein Referent eingeladen wird, der zudem bereits bei Veranstaltungen der antisemitischen BDS Kampagne gesprochen hat, die zum vollständigen Boykott des jüdischen Staates und seiner Wirtschaft und Kultur aufruft. Wir fordern die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Oldenburg auf, in Zukunft antisemitischen Äußerungen keine Plattform mehr zu bieten!

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Wer sich näher mit dem Thema Antizionismus auseinandersetzen möchte, kann mit folgendem Aufsatz von Samuel
Salzborn, Professor am Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin beginnen:

Samuel Salzborn: Israelkritik oder Antisemitismus. Kriterien für eine Unterscheidung, in: Kirche und Israel. Neukirchener Theologische Zeitschrift, 28. Jahrgang, Heft 1/2013. http://www.salzborn.de/txt/2013_Kirche-und-Israel.pdf