Gegen die antisemitische Lüge des „Pinkwashing“ – Solidarität mit Israel und den verfolgten LGBTI in muslimischen Ländern und Communities!

Wir waren gestern auf dem Oldenburger CSD und haben viele Israelfähnchen und Flyer an zahlreiche interessierte Personen verteilt. Im folgenden der Text unseres Flyers in der Langversion:

Gegen die antisemitische Lüge des „Pinkwashing“ – 
Solidarität mit Israel und den verfolgten LGBTI in muslimischen Ländern und Communities!

In den letzten Jahren machte in einem Teil der queeren Szene der Begriff „Pinkwashing“ Karriere: Er unterstellt, die verhältnismäßig LGBTI-freundliche Politik Israels und die öffentliche Darstellung eines liberalen, homofreundlichen Selbstverständnisses seien ein Ablenkungsmanöver, um Israels angebliche Verbrechen gegen Palästinenser*innen zu verschleiern.
Dass Israel in Bezug auf die Gleichstellung und den Schutz von LGBTI vor Diskriminierung seinen Nachbarn in der Region weit voraus ist, wird nicht etwa als positive Entwicklung gesehen. Im Gegenteil: dem jüdischen Staat werden in verschwörungstheoretischer Manier geheime, hinterlistige Absichten unterstellt.
Der Antisemitismus ist daher kein bloßes Vorurteil gegen jüdische Menschen, sondern eine wahnhafte Welterklärung, welche die Jüdinnen und Juden für alle unverstandenen Übel der modernen Gesellschaft verantwortlich macht. Heute werden diese antisemitischen Motive aktualisiert, in dem sie auf Israel als den „Juden unter den Staaten“ übertragen werden. Dabei ist es egal, wie Israel sich real verhält, denn den Hass der Antisemit*innen zieht es ohnehin auf sich: Würden Homosexuelle staatlich diskriminiert, würde dies verurteilt werden, da dies aber nicht der Fall ist, muss Israel eben aus seiner LGBTI-freundlichen Politik ein Vorwurf konstruiert werden. Wir finden, dass solche antisemitischen Ressentiments in der queeren Szene keinen Platz haben dürfen und rufen deshalb auf zur Solidarität mit Israel!

Islamischer Hass auf LGBTI
Während Israel seine LGBTI-freundliche Politik zum Vorwurf gemacht wird, werden in Gaza unter der Herr-schaft der Hamas Homosexuelle auf offener Straße gelyncht. Von IslamistInnen wird ein Hass auf LGBTI propagiert, der wie der Antisemitismus ein fester Bestandteil in deren Ideologie ist.
Doch auch im konservativen Islamverständnis, dem weltweit viele Muslime anhängen, gilt Homosexualität als Sünde. Die islamische Gesetzgebung reguliert das Privatleben bis ins kleinste Detail und erstickt jeden Versuch einer selbstbestimmten, individuellen Lebensgestaltung abseits rigider Sittengesetze und Zwangsgemeinschaft im Keim. Dies betrifft vor allem auch den Bereich des Sexuellen, weshalb neben Frauen besonders auch LGBTI davon betroffen sind.
Im Iran werden Homosexuelle unter grausamen Bedingungen inhaftiert und schwulen Männern droht die Todesstrafe: Unter anderem erhängt man sie an (von deutschen Unternehmen produzierten) Baukränen. Ebenso ist die Todesstrafe Gesetz in Saudi-Arabien, Jemen, Afghanistan, Mauretanien, Sudan und dem islamischen Teil Nigerias. In anderen islamischen Staaten wie Ägypten, Malaysia, Libyen oder Marokko, Indonesien werden Haftstrafen verhängt. Auch ohne staatliches Zutun kommt es darüber hinaus in der Region vielfach zu Verfolgung und Ermordung von LGBTI. Lesbische Frauen leiden unter einer doppelten Diskriminierung, da sie oftmals von ihren Familien in eine Ehe mit einem Mann gezwungen werden.
Für LBGTI ist deshalb ein freies und sicheres Leben in solchen Ländern unmöglich, sie müssen mit der ständigen Angst vor Entdeckung leben. Diese enorme psychische Belastung führt vielfach bis zum Selbstmord. Den einzigen Ausweg stellt somit oft die Flucht dar, an deren Ende ein unsicherer Aufenthaltsstatus steht.

Und auch dort, wo die Verfolgung Homosexueller nicht staatlicherseits garantiert wird und diese ein verhältnismäßig freies und öffentlich sichtbares Leben führen können, reagieren IslamistInnen mit Gewalt und Terror. 2016 massakrierte Omar Mateen 49 Menschen in einem schwulen Nachtclub in Orlando; er war geprägt von islamistischer Ideologie und dem damit verbundenen Hass auf Homosexuelle.
In den muslimischen Communities in Deutschland ist das Thema Homosexualität tabuisiert, auf Outings wird oftmals mit Abwendung der Familie, Absprechen des Muslim-seins und Gewalt reagiert. Auch die großen muslimischen Verbände in Deutschland halten sich bei dem Thema bedeckt, auf Äußerungen, die sich für eine Vereinbarkeit von Homosexualität und Islam aussprechen, wartet man vergeblich. In Berlin-Neukölln wurde der damals 15-jährige Nasser El-Ahmad nach Bekanntwerden seiner Homosexualität von seinem Onkel mit Benzin überschüttet, der drohte, ihn anzuzünden, kurz darauf wurde er von der konservativen muslimischen Familie entführt – nur durch Glück erging er der Ermordung. Dies sind keine Einzeltaten – sie sind verwurzelt in einer Ideologie, in der das Leben der einzelnen Menschen – und sei es der eigenen Kinder – weniger zählt, als die Vorstellung eines gottgewollten Lebens, in die sie qua kollektiver Zugehörigkeit gepresst werden sollen.

Für eine emanzipatorische Islamkritik!
Auch außerhalb islamischer Communities gibt es in Deutschland nach wie vor Ablehnung und Hass gegenüber LGBTI und wir finden es wichtig, zusammen dagegen zu kämpfen. Allerdings wollen wir heute auf dem CSD auf dieses Thema aufmerksam machen, weil es oftmals auf Grund einer falschen Rücksichtnahme auf kulturelle und religiöse Befindlichkeiten vernachlässigt wird.
Anstatt aber wie die RechtspopulistInnen lauthals nach Abschiebung zu schreien und dabei queere Menschen aus muslimischen Ländern als Kollateralschaden in den Tod zu schicken, geht es einer emanzipatorischen Islamkritik darum, ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung jenseits des kollektivistischen Zwangs der ‚umma‘ allen zu ermöglichen – ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder ihrer sexuellen Orientierung.
Sowohl der Antisemitismus als auch die Homophobie richten sich gegen dieses – freilich nur halb eingelöste – Glücksversprechen der bürgerlichen Gesellschaft. Dieses Versprechen gilt es zu verteidigen gegen seine Feinde, seien es nun Rechte oder IslamistInnen, wäre doch erst seine Verwirklichung die Voraussetzung für eine Gesellschaft, in der alle „ohne Angst verschieden sein“ (Adorno) können.

Wir rufen deshalb auf zur Solidarität mit denjenigen, die den geballten Hass der IslamistInnen sowie vieler konservativer Muslime weltweit auf sich ziehen: allen voran Jüdinnen und Juden, LGBTI und selbstbestimmte Frauen.

Solidarität mit Israel!
Solidarität mit LGBTI in islamischen Ländern und Communities!
Solidarität mit geflüchteten LGBTI – für eine unbedingte Anerkennung ihres Rechts auf Asyl!

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